Donnerstag, 1. Juni 2017

Schottland-Urlaub Teil 6

Ich schon wieder. Ein Zwei-Tages-Rhythmus hat sich eingeschlichen und das passt doch ganz gut so. Ich hoffe, ich langweile noch niemanden ;) Bald gibt es hier auch wieder Bücher (auch wenn ich hier echt null zum Lesen gekommen bin...hab nicht mal ein Buch gekauft O.o). Aber egal...ums Lesen kümmern wir uns nach dem Urlaub wieder. Am Mittwoch sah es wettertechnisch hier wieder sehr gut aus, weshalb wir einen kleinen Trip an die Westküste unternehmen wollten. Als ersten Zielort haben wir ein ganz kleines Kaff namens Badcaul anvisiert. Wie sonst auch war der Weg dorthin schon wieder wunderschön, sodass wir mindestens dreimal angehalten haben. Beweise folgen anhand Rastplatzfotos:




Ich weiß wirklich nicht, was ein Schotte denkt, wenn er das erste Mal auf einen deutschen Rastplatz fährt :D Allein die Pausen haben dann schon so viel Zeit in Anspruch genommen, dass wir richtig Hunger hatten. Wir kamen soeben an den Inverewe Gardens vorbei, wo es auch ein großes Restaurant gab. Aber wir hatten beide irgendwie keine Lust, dort Eintritt zu zahlen (hatten mehr Lust auf Strand und Meer) und irgendwie sagte mir mein Bauchgefühl auch, dass da noch was besseres kommen würde als so ein großes touristisches Restaurant. Zum Glück sollte ich nur wenige Meilen später Recht behalten. Ein kleines Schild am Ortseingang von Gairloch wies auf das Bistro "The Steading" hin. Es kleines Steinhäuschen mit Tischen draußen...sah gut aus. Also angehalten und hinmarschiert. Ein paar junge Mädels führen dieses kleine Bistro und haben es richtig süß und geschmackvoll hergerichtet. Die Karte ist nicht zu groß, aber für jeden ist was dabei. Für mich gab es Himbeertee...


...und Fish and Chips. Das war sogar noch etwas besser als das in Portree. Vermutlich einfach, weil es dieses Mal nicht von einer Imbissbude kam. Es war einfach schöner angerichtet und es gab noch Erbsenpüree und eine Zitronenspalte für den Fisch dazu. Hmmmmm :)


Gut gestärkt sind wir dann weiter gefahren aber schon nach einer Meile mussten wir wieder anhalten. Aus dem Augenwinkel hatte ich einen wunderschönen Sandstrand erspäht. Also schnell geparkt und ab zum Strand. Es war ein kurzer Wanderweg bis zum örtlichen Pier ausgeschildert und dem sind wir dann gefolgt. Erst mal über den Traumstrand und dann zwischen den Klippen hoch zu einer fantastischen Aussicht. 

 
Das Wasser hat geglitzert und zur einen Seite gab es Sicht auf die Klippen, zur anderen auf den tollen Strand. Wunderschön! 


Hab mich sooo geärgert, dass ich meinen Bikini nicht drunter gezogen habe. Es war zwar sehr windig, aber für ein halbes Stündchen baden wäre es locker warm genug gewesen. Nächstes Mal. Und für alle, die auch mal nach Schottland wollen: merken! Sowohl das Bistro als auch den Strand bei Gairloch :) Denn wie ihr vielleicht bemerkt, war es trotz des tollen Wetters soooo leer. Bis auf ein paar Familien und das ein oder andere Pärchen war nix los. Perfekt zum Entspannen!
Ich habe den Strand dann immerhin mit nackten Füßen genossen. Alleine den Sand zwischen den Zehen und die schwappenden Wellen an den Beinen steigern das Urlaubsfeeling nochmal um das Doppelte!

Auf unserer Karte hatten wir uns schon morgens einen möglichen Rundweg ausgeguckt und den wollten wir nun auch Richtung Cottage anstreben, denn der führte uns noch an den Victoria Falls entlang. Wasserfälle finde ich einfach großartig und daher musste wir unbedingt anhalten.



Das Bild ist mit meinem Handy gemacht, daher nicht so super, aber ich hoffe, man kann den doch recht langen Wasserfall erkennen. Das war sehr beeindruckend! Wir sind natürlich noch ein Stück weiter gegangen und oberhalb des Wasserfalls war es fast noch schöner. Ein breites Steinplateau hat sich aufgetan und ich konnte mir direkt wieder meine Schuhe ausziehen und die Füßchen kühlen.


Auch hier nochmal: sieht es nicht großartig aus?


Der Weg zurück ging dann flott. Wir waren noch einkaufen und haben den Abend dann auf unserer wunderbaren Terasse ausklingen lassen. Das Wetter musste bis zum letzten Moment ausgekostet werden.


Gekostet haben wir auch ein anderes Ale. Das Skye Gold Ale. Haben wir - wer hätte es gedacht? - auf Skye gekauft. Sehr lecker. Tommy hat es auch gut geschmeckt und er sagt, es erinnert ihn schon fast an ein Weizenbier und es war auch wieder angenehm mild. 


Danach hab ich extra gut geschlafen.
Am nächsten Morgen klingelte mal kein Wecker, denn für heute war der Hill Trip geplant. Der startete um 11 Uhr. Das würden wir auch ohne Wecker locker schaffen. War dann auch so. 
In Glenmore angekommen haben wir am Rentier-Zentrum gehalten und an der Kasse stand eine nette (und sehr hübsche) rothaarige Dame, die uns die Tickets (14 £ pro Person) verkaufte. Ich war kurz verwirrt,mals sie fragte, ob wir ein eigenes Auto hätten. Aber dann erklärte sie, dass die Tour etwa 1,5 Meilen entfernt auf einem Parkplatz starten würde. Achsoooo. Kein Problem.
Wir haben eine Karte für den Weg bis zum Parkplatz mitbekommen und sie meinte, wir würden uns dann gleich sehen, sie würde die Tour machen. Hab mich voll gefreut. Kennt ihr das, wenn euch Leute sofort sympathisch sind? Bei ihr war das so! 
Wir sind dann zum Parkplatz gefahren und haben dort noch eine Viertelstunde gewartet. In der Zeit zeigte sich auch schnell, dass wir nicht, wie von mir befürchtet, alleine sein würden. Ich hab natürlich keine Lust auf hunderte Menschen, aber ich mag es auch gerade bei geführten Touren egal wo nicht, wenn ich quasi der einzige Zuhörer bin. Keine Annung wieso. Es waren aber so 25 Leute, viele Kids natürlich. Eine angenehme Größe für diese Art Tour. 
Dann kam die junge Frau - sie stellte sich als Ruth vor - mit einem Mann im Schlepptau an und es ging los. Sie hat uns kurz erzählt, wie der Trip abläuft und dann ging es auch schon los. Durch die wunderschöne Landschaft des Cairngorm National Parks, durch einen Wald, über einen Fluss und dann hoch auf den Berg über die Baumgrenze. Mit einem Zwischenstopp, bei dem Ruth uns noch einiges über die Geschichte des Cairngorm Reindeer erzählte. Ich will das jetzt nicht in allen Einzelheiten ausführen, Fakt ist aber, dass diese Herde die einzig freilebende in ganz Großbritannien ist. Ende der 1940er Jahre kam ein Schwede nach Schottland und hat bei einer Wanderung durch den Nationalpark bemerkt, wie sehr die Landschaft der Lapplands gleicht und hat sich gewundert, dass es hier dennoch keine Rentiere gibt. Er hat das bei den entsprechenden Stellen zur Sprache gebracht und schließlich wurden die ersten paar Rentiere nach Cairngorms gebracht, wo sie sich wie erwartet schnell wohlgefühlt und eingelebt haben. Heute umfast die Herde 150 Tiere und sie laufen einen Großteil des Jahres völlig frei im Nationalpark herum. 
Ich fand das unglaublich spannend. Ich meine, da muss jemand mit viel Leidenschaft dabei gewesen sein, wenn er sich so dafür einsetzt, die Rentiere nach Schottland zu bekommen. 
Und unser Tour Guide Ruth hat das auch alles mit so viel Begeisterung erzählt, da hat man richtig gemerkt, dass sie liebt, was sie tut.

Dann ging es hoch auf den Berg und schon nach ein paar Metern kamen wir zu der riesigen Weide, auf der die Tiere grasten. Die Weide war natürlich umzäunt, aber ganz hinten gab es Ausgänge, sodass die Tiere auch jederzeit hätten abhauen können. Aber die wissen, dass sie leckeres Futter bekommen, also bleiben sie wohl gerne. Hihi. 
Ich kann euch gar nicht sagen, was es für ein tolles Gefühl war, diese schönen Tiere so nah zu sehen. Ich verbinde Rentiere immer noch mit Weihnachten (und ja - auch dem Weihnachtsmann ;)) und zumindest als Deutscher bekommt man doch fast nie eins zu Gesicht. Und schon gar nicht in ihrer natürlichen Umgebung. 
Schon als wir die Weide betreten haben, sind die Rentiere gekommen und sind teilweise sogar mit uns in Reih und Glied zur Mitte der Weide gedackelt :D
Ruth und ihr Helfer haben dann erst mal das mitgebrachte Futter (jeder von den beiden hat einen Sack davon mit hochgeschleppt!) ein bisschen verteilt und später durfte jeder, der wollte, auch per Hand füttern. 

Das Futter mischen die vom Rentier-Zentrum übrigens selbst. Ich hab nicht alles behalten, aber auf jeden Fall ist neben Mais, Heu, Erbsen auch ein Abfallprodukt der Whisky-Produktion dabei. Das sind diese Pellets, die ihr auf dem Bild seht. Es heißt Draf oder so ähnlich und das sind die gepressten Getreiderückstände, die nach dem Mälzen überbleiben. Davon hatte man uns schon bei der Destilleriebesichtigung erzählt.


Natürlich ist kein Alkohol dadrin ;) Und die Rentiere lieben es!


Man muss bei Rentieren das Futter in der Hand halten, als würde man Wasser transportieren, sonst können sie das Futter schlecht aufnehmen. Dabei sabbern sie übrigens überhaupt nicht, es fühlt sich nur ganz weich an, weil sie auch am Mund überall feine Haare haben.


Oh man das war sowas von toll! Wir waren mindestens ne Stunde dort oben und durften fotografieren, streicheln, Fragen stellen. Es war einfach faszinierend! In der Herde gab es auch ein Albino-Rentier mit dem Namen Blue, der taub war, aber kein Stückchen schreckhafter als die anderen. Im Gegenteil, war er immer der erste, der sich zum Futter geschlichen hat. Total süß.
Wir haben noch so viele andere Dinge über diese tollen Tiere erfahren, aber das kann ich nicht alles erzählen. Ihr müsst euch das einfach mal selbst ansehen. Die 14 £ haben sich absolut gelohnt.
Irgendwann haben wir uns dann verabschiedet und uns für die tolle Tour bedankt und sind dann alleine runter gegangen. Den Rückweg kann nämlich jeder antreten wann er mag.
Und auf dem Rückweg haben wir tatsächlich noch ein Rentier-Kälbchen gesehen. So viel Glück kann man eigentlich gar nicht haben! Das war NOCH süßer :) Davon reiche ich noch ein Bild nach!

Da wir schon vorher davon gelesen hatten und wir außerdem mit den Tickets vom Hill Trip 20 % Rabatt bekommen konnten sind wie noch ein Stück weiter zur Cairngorms Mountain Railway gefahren. Das ist eine Schienenseilbahn. 
Die Fahrt an sich war super interessant, allerdings war uns nicht ganz klar, dass man oben die Hütte nicht verlassen darf. Man kann ins Restaurant, in den Shop und auf die Aussichtsterasse, aber nicht raus zum Wandern. Das fand ich etwas doof und auch befremdlich, denn von unten darf man ganz normal hochwandern. Vielleicht wollen die nicht, dass sich alle hochkutschieren lassen und dann den Gipfel "kaputtlaufen"...? Stand zumindest so in etwa da. Allerdings gab es damit beim Ben Nevis auch keine Probleme.
Jedenfalls fanden wir trotz der interessanten Fahrt die 13,50 £ pro Person nicht angebracht.


Nächstes Mal wird hier nur gewandert. Das kann man unten vom Parkplatz aus nämlich super, auch ohne Seilbahn ;)

Zum Abschluss gab es dann noch eine Pizza im schon erwähnten Restaurant La Taverna und einen Abstecher in die Cairngorms Brauerei bzw. in den Shop. Dieses Mal kein Whisky sondern Ale. Für mich eh noch besser!


Und nun sind wir daheim und haben auch schon angefangen zu packen. Der Abschied naht :( 
Aber ein bisschen freut man sich ja auch immer auf die Lieben zuhause ;)

Schlaft gut!


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